Dauerhafte Diskriminierung behinderter Menschen
27. Januar 2009
Hamoun Kamai
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Es ist so unverständlich wieso behinderte Menschen immer durch alle Instanzen klagen müssen, bis ihnen irgendwann ihre Rechte zugestanden werden. Genau dies macht im Moment unser Stand Up-Förderkreismitglied Matthias durch, dessen Beschwerdeverfahren in zweiter Instanz beim Landessozialgericht Halle seit Monaten vorliegt. Nachdem Matthias bereits im Februar ‘07 einen Antrag auf ein persönliches Budget gestellt hat, verschleppte die Sozialagentur Sachsen-Anhalt das Antragsverfahren, obwohl Matthias seit drei Jahren als 32 jähriger junger Mann unzumutbar in einem Altenpflegeheim leben muss.
Mehr Infos zu Matthias gibt es hier…
Eine konkrete Bedarfsklärung der Eingliederungshilfe bzw. der Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft wurde von der Sozialagentur Sachsen-Anhalt bis heute nicht vorgenommen und wenn Leistungen erbracht wurden, dann nur völlig unzureichend. Diese unzureichenden Angaben wurden ungeprüft vom Sozialgericht Dessau-Roßlau und vom Landessozialgericht Halle übernommen und daran festgehalten, auch wenn diese Angaben von Matthias – z. B. durch einen Kostenvoranschlag widerlegt wurden. Gerade im Behinderten- und Sozialbereich verhalten sich viele Behörden gerne nach dem Schema der “Pluralistischen-Ignoranz“. Viele Instanzen fühlen sich durch die Übereinstimmung bestätigt und gedeckt. Schreibtischtäter steigen über Grund- und Freiheitsrechte hinweg, selbst wenn Vernunft, Rechtsempfinden oder Gewissen dagegen rebellieren.
Erst im Dezember ‘08 hat Deutschland die „UN-Konvention der Rechte behinderter Menschen“ ratifiziert, und sich somit dieser Grundrechte verpflichtet. Dennoch werden von den o. g. Sozialgerichten weder die UN-Konvention noch grundgesetzliche Rechte, die selbstverständlich auch behinderte Menschen haben (!), geachtet. Diesen Tatsachen müssen wir rigoros entgegentreten, sonst wird es immer wieder wie im Fall von Matthias dazu kommen, dass Menschen mit körperlichen und/oder geistigen Beeinträchtigungen ihrer Rechte beraubt oder gar als Unwert behandelt werden.
Das muss endlich aufhören!!!
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Mittwoch, 28. Januar 2009 um 18:27
Matthias hatte mich ja damals schon darauf hingewiesen und ich finde es einfach absolut Menschenverachtend das nicht mal ansatzweise sich etwas in die richtige Richtung bewegt und sich Schreibtischtäter dann meistens noch aufregen das angeblich irgendwelche Sachen fehlen die man schon mehrfach eingereicht hatte. Umso trauriger ist es dann noch wenn die Gerichte meinen die ablehnende Haltung dieser beamten vorzuführen…
Mittwoch, 28. Januar 2009 um 18:48
Genau! Die Sozialagentur Sachsen-Anhalt hat im Laufe des Antrags- und des Widerspruchsverfahrens mehrfach ein und dieselben Fragen gestellt. Zum Beispiel wurden mir Fragen gestellt die ich bereits schon ein Jahr vorher beantwortet hatte. Und anstatt bei der Sozialagentur Sachsen-Anhalt ein oder maximal zwei SachbearbeiterInnen einen Fall bearbeiten,so sind es bei mir mehr wie ein Dutzend! Der Sachbearbeiter der den letzten Schriftsatz, den ich erhalten habe, verfasst und unterschrieben hat, war mir bis dahin unbekannt.Wende bei einem Fall die Sachbearbeiter ständig wechseln, braucht es einen auch kaum wundern das Antragsverfahren sich so u. a. deswegen dermaßen in die Länge ziehen!
Mittwoch, 28. Januar 2009 um 21:58
Matthias – ich weiß garnicht, warum Du Dich ständig so aufregst. Dir geht es doch super! Wichtiger ist doch, dass man in Berlin, Potsdam und sonstwo die alten Stadtschlösser wieder aufbaut, die keiner will und keiner braucht oder das Geld darin investiert, so große Arbeitsagenturen zu bauen, dass die Bürofläche pro Mitarbeiter größer ist als die Wohnfläche, die einem Hartz IV-Empfänger zusteht – geschweige denn Dir!
Was hälst Du davon, wenn Du ins Tierheim ziehst. Da hast Du mehr Personal, mehr Platz, wirst vermutlich öfter geduscht und an die frische Luft gefahren – und vermutlich bist Du vor allem endlich vom Tisch und richtig billig für die lieben Schreibtischtäter! Ich weiß eigentlich garnicht, warum Du überhaupt so viel Freiheit haben willst. Ein Hamster im Käfig hat auch keine Freiheit und ist glücklich. Allerdings habe ich dann jetzt dann doch mal eine Frage dazu: WOZU DANN EIGENTLICH DIE UN-KONVENTION; WENN LEUTE WIE DU GEHALTEN WERDEN WIE DIE HAMSTER???
LG schickt schon wieder die Freche aus Potsdam
PS: Halt die Ohren steif
Donnerstag, 29. Januar 2009 um 16:30
Hallo Mathias.
Mein Name ist Ilka Hannig. Ich bin 30 Jahre alt und ich bin auf Grund einer körperlichen Einschränkung (tetra Spastik) auf einen Rollstuhl angewiesen, doch das ist kein Problem eher eine Herausforderung.
Ich lebe in Berlin, habe dort meine eigenen vier Wände und bei alltäglichen Dingen, steht mir assistierend ein Pflegdienst zur Seite.
Ich lebe ein ganz normales Leben und tue alles was mir Spaß macht – mein Rollstuhl stört dabei nicht, denn er übernimmt ja nur die Funktion meiner Beine und nicht die meines Kopfes.
Ich habe deinen Link durch einen Zufall entdeckt als ich meine Mailpost zu meiner Homepage durchforstet habe… Und ich muss echt sagen ich b in ziemlich erschüttert über das was ich da so las.
Damir das so nahe ging hab ich mir erlaubt deinen Link mit meiner Hompage zu verlinken und ich war mal so frei und hab den Link an alle Leute weitergeleitet, wo ich denke das sie dir vielleichht weiterhelfen könnene.
Ich hoffe, dass war okay für Dich?
Ich hoffe ich konnte Dir erst mal damit helfen.
Ich wünsch Dir erst mal weiter ganz wiel Kraft und Mut und wenn ich Dir noch irgendwie Helfen knn, dann meld dich per Mail bei mir, und ich schau dann, was ich noch machen kann.
Alles Liebe
Ilka Hannig
Freitag, 30. Januar 2009 um 10:12
Was ich überhaupt nicht begreifen kann, dass vielen das Persönliche Budget genehmigt wird, selbst Menschen mit höherem Pflegebedarf als Matthias (Beatmung etc) und Matthias in seinem Heim versauert.
Nach was für nem System geht das denn ? Nach Lust und Laune des Sachbearbeiters oder werden einfach Lose gezogen ?
Freitag, 30. Januar 2009 um 17:21
Hallo Ilka,
danke für deine Hilfe!
Ich finde es bemerkenswehrt wie du mit deiner Behinderung umgehst, dass du sie mehr als Herausforderung siehst! Tolle Einstellung!
@Sylvie
Das muss man leider vermuten!
Gruß,
Matthias
Freitag, 30. Januar 2009 um 17:49
„Es ist so unverständlich wieso behinderte Menschen immer durch alle Instanzen klagen müssen,…“ Weil es viel zu viele Menschen gibt, die nicht wissen, was Menschenrechte sind. Und da könnte ich schon stinksauer werden. Etwas, was eigentlich selbstverständlich sein sollte ist in der heutigen Gesellschaft nicht mehr zu finden.
@ Ilka deine Lebensgeschichte hört sich ja auch … ich finde nicht die passenden Worte dafür. Ich möchte aber sagen, dass ich sehr großen Respekt habe, wenn man diese Herausforderung annimmt und sich durchs Leben kämpft. Finde ich super.
Freitag, 30. Januar 2009 um 18:00
Alle müssen aber nicht durch die Instanzen. Wenn es so wäre, dann könnte man sich noch darauf einstellen dass der Weg nunmal so ist.
Es gibt aber auch genügend Beispiele von Leuten, die direkt nach der Reha in ihren eigenen 4 Wänden versorgt werden ohne zwischendurch ein paar Jahre ins Altenheim zu ziehen.
Freitag, 30. Januar 2009 um 21:48
Ja, wie du sagst, die die direkt von der Reha kommen. Wenn man aber als hilfebedürftige Mensch einmal im Heim untergebracht ist, ist es sehr schwer dort wieder hinauszukommen, um einen selbstbestimmtes Leben führen zu können!
Dienstag, 3. Februar 2009 um 10:20
Matthias, lass bitte nicht unterkriegen
das wird und muss sich irgentwann ändern.
dás wichtigste ist nie aufzugeben und immer wieder gegen diese unmenschen ankämpfen. wir werden dich unterstützten.
lg
hadis
Dienstag, 3. Februar 2009 um 18:00
Danke Hadis, besonderst solche Worte wie deine tuen gut und bestärken mich immer aufs neue weiter zu kämpfen!
lg, Matthias
Mittwoch, 4. Februar 2009 um 14:25
Hallo Matthias,
ich bin sprachlos!!!
Ich drücke dir ganz fest die Daumen, dass du das schaffst!
Sende dir mal ganz viel Kraft zum durchhalten.
LG aus Hamburg
Britta
Sonntag, 8. Februar 2009 um 12:52
Das ist jetzt doch nicht ernsthaft wahr? Ein 32-jähriger Mann im Altenheim? Wie kann sowas denn angehen, dagegen muss auf jeden Fall etwas unternommen werden, denn nur weil Menschen behindert sind, kann man sie doch nicht als minderwertig einstufen und ihnen jedes Recht auf Leben einfach nehmen. Das ist das Allerletzte!
Sonntag, 8. Februar 2009 um 17:52
das ist leider war Steffi! Meine Unterbringung im Altenpflegeheim war ursprünglich nur vorübergehend gedacht. Dieser Übergang dauert nun schon drei Jahre an! ich wurde bis jetzt von der Sozialagentur Sachsen-Anhalt nur auf Einrichtungen und Wohnformen verwiesen die mir ein eigenständig organisiertes Leben und vor allem selbstbestimmtes Leben nicht zulassen.
Liebe Grüße,
Matthias
Dienstag, 10. Februar 2009 um 07:29
Da darf man sich zynisch fragen, warum bei den Behörden Rampen gebaut werden – sicher nicht um den Bedürftigen zu helfen, sondern um die Beamten zu entlasten, damit die nicht immer helfen müssen wenn jemand zum 12ten mal vorbeikommt.
Traurig, dass von denen die da sind um zu helfen anscheinend nicht einer wirkliche Hilfe bietet.
Mal daran gedacht das Thema in die Zeitung oder ins Fernsehen zu bringen ? Ist zwar Selbstentblößung, könnte aber den notwendigen Druck aufbauen.
Dienstag, 10. Februar 2009 um 12:16
@sven:
ich bin voll und ganz deiner meinung – die öffentlichkeit (stichwort fernsehen) muss davon erfahren, sonst kann das ganze wohl doch ne weile dauern
Dienstag, 10. Februar 2009 um 16:24
ich habe bereits zwei Dutzend Pflanzeformate angeschrieben, aber entweder eine Ablehnung erhalten oder bis jetzt über ob noch keine Antwort. Die häufigste Begründung ist, dass dieses Thema nicht massenkompatibel ist. Zum Glück gibt es aber auch Journalisten die das anders sehen und mit denen ich zurzeit in Verbindung stehe, die daran Interesse gezeigt haben, meinen Fall zu veröffentlichen!
Dienstag, 10. Februar 2009 um 16:26
Pflanzeformate = Sendeformate, sorry, meine Spracherkennung hat mir da ein Schnippchen geschlagen!
Montag, 23. Februar 2009 um 02:35
hej matthias,
habe ihre mail über forsea bekommen und war sehr bestürzt. mir wurde vor ca 2 wochen (relativ) unproblematisch das persönliche budget bewilligt. ihre situation kann ich verstehen, was es allerdings wirklich bedeutet, kann ich nur erahnen. weil ich über viele jahre in aussichtsloser situation war, die sich nun völlig gewendet hat, möchte ich sie ermutigen, an ihren träumen festzuhalten. behalten sie ihren mut. es ist sehr viel, was sie ausgehalten haben, um sich gehör zu verschaffen. bleiben sie am ball!
Sonntag, 1. März 2009 um 14:33
Hallo Matthias, seit über35 Jahren arbeite ich als Masseurin in der Asklepios Weserberglandklinik in Höxter. Wir sind eine Rehaklinik mit Schwerpunkt Muskelsystemerkrankungen. Da ich auch in der Ausbildung von Physios und Masseuren tätig bin habe ich sehr viele Kontakte. In all den Jahren habe ich erst 2 oder 3 Mal von solcher Behördenwillkür gehört, das ist aber schon Jahrzehnte her. Unfaßbar. Ich wünsche Dir viel Kraft diesen Kampf bis zum hoffentlich baldigen Erfolg durchzustehen. Habe Deinen Aufruf an ca. 100 Patienten und Therapeuten weitergegeben . Liebe Grüße Ele Biella
Dienstag, 3. März 2009 um 21:28
@Karoline und G. Biella
Vielen lieben Dank, dass Ihr mir so viel Mut zusprechen und mich unterstützt!
Danke auch, für das weiterleiten des links! So kann ich ja auf noch mehr Unterstützung hoffen.
Liebe Grüße, Matthias